CRTDP

Seit 2010 besteht zwischen der DIZ und der Organisation Comprehensive Rural Tribal Development Programme (CRTDP) eine Partnerschaft. CRTDP hat es sich seit 1980 zur Aufgabe gemacht, in Nagpur und Umgebung Armut und soziale Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Heute engagiert sich die Organisation in etwa 30 Dörfern westlich der Stadt sowie in drei Slums innerhalb Nagpurs.

Dabei betätigt  sich CRTDP zurzeit in fünf Bereichen: ländliche Entwicklung, Frauenförderung, Angebot einer Berufsschule für sozial schwache Jugendliche, AIDS-Aufklärung und Prävention sowie Aufklärung zur Regenwasserrückgewinnung. CRTDP arbeitet eng mit verschiedenen Regierungs- und nicht Regierungsorganisationen im In- und Ausland zusammen.

Ländliche Entwicklung

Im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe sollen Dörfer in der Umgebung von Nagpur in ihrer Entwicklung gefördert werden. Dafür unterstützt CRTDP beispielsweise den Aufbau von Selbsthilfegruppen, hilft Bauern in Notsituationen mit Saatgut aus und führt Programme zur Verbesserung der medizinischen Versorgung durch.

Frauenförderung

Frauen werden in der indischen Gesellschaft immer noch benachteiligt und diskriminiert. Oftmals leiden sie auch unter häuslicher Gewalt. CRTDP betreibt für diese Fälle eine Beratungsstelle. Außerdem werden in mehreren Slums Kindergärten betrieben, sodass die Mütter einer Arbeit nachgehen und somit Geld verdienen können und die Kinder eine bessere Chance auf Bildung erhalten. Außerdem werden Frauen beim Aufbau eines eigenen Kleinunternehmens mit Mikrokrediten unterstützt.

Berufsschule

In der „Barbaras Multipurpose Polytechnic“ werden Kurse zur Krankenpflege, Zweiradreparatur, Elektrotechnik und Kühlschrank-/Klimaanlagen-Reparatur angeboten. Die Berufsschule richtet sich vor Allem an Jugendliche ohne Schulabschluss und an Jugendliche, die selbst oder familiär von HIV/AIDS betroffen sind und deshalb kaum Chancen haben, eine Ausbildung zu erhalten. An die Schule angeschlossen ist ein Internat, in dem die Schülerinnen und Schüler leben.

Gesundheitsförderung und HIV/AIDS-Aufklärung und Prävention

„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen“ (Definition gemäß WHO). Zugang zu medizinischer Versorgung ist in Indien, besonders in ländlichen Gegenden, immer noch ein Problem. Körperliches Wohlbefinden ist für den Großteil der Bevölkerung keine Selbstverständlichkeit und Mangelernährung betraf 2007 etwa 46 % aller Kinder. Um diesem Zustand entgegenzuwirken, klärt CRTDP in den Slums und umliegenden Dörfern Nagpurs über Krankheiten auf und bietet Präventionsmaßnahmen an. In den Dörfern werden Gesundheitscamps organisiert, wobei auch ein Fokus auf die HIV-Aufklärung und Präventionsarbeit gelegt wird. CRTDP betreut besonders Wanderarbeiter in den Großmarkthallen von Nagpur, da sich diese besonders häufig infizieren und dadurch die Krankheit weitergeben. Neben Aufklärung bietet CRTDP Gesundheitscamps und mobile Testmöglichkeiten an und betreut HIV-Erkrankte. Die Organisation will das Selbstbewusstsein der Zielgruppen stärken, um dadurch die soziale und finanzielle Situation zu verbessern.

Regenwasserrückgewinnung
Wie in vielen Regionen Indiens leidet die Landwirtschaft in den Dörfern um Nagpur unter starkem Wassermangel. Im indischen Monsunklima fällt fast der gesamte Jahresniederschlag in der Regenzeit zwischen Juni und September. Der Rest des Jahres ist trocken und heiß, so dass die Landwirtschaft auf künstliche Bewässerung angewiesen ist. Die Bauern bewässern die Felder mit  Brunnenwasser. Die Brunnen speisen sich aus vorhandenem Grundwasser, das durch das Versickern von Niederschlägen wieder aufgefüllt wird. Erfolgt das jedoch nicht in ausreichendem Maße, kann im Lauf des Jahres der Grundwasserspiegel so weit sinken, dass die Brunnen austrocknen. Die Folge sind Ernteausfälle, wodurch Bauern in die Schuldenfalle getrieben und in ihrer Existenz bedroht werden. Viele sehen als einzigen Ausweg den Suizid.
Dem Absinken des Grundwasserspiegels kann durch verschiedene Maßnahmen entgegengewirkt werden, die man zusammenfassend als Watershed Development (= Entwicklung des Wassereinzugsgebiet) bezeichnet. Das Hauptproblem besteht darin, dass Niederschläge während der Monsunzeit zwar in großer Menge fallen, der kurze Zeitraum jedoch nicht ausreicht, um genug Wasser zu speichern. Stattdessen fließt das Wasser oberflächlich ab und erodiert dabei den fruchtbaren Boden.
Beim Watershed Development verhindern Rückhaltegräben und kleine Staustufen das schnelle Abfließen des Wassers und reduzieren die Erosion. Das aufgefangene Wasser verbleibt in den Gräben, versickert mit der Zeit im Boden und füllt dadurch das Grundwasser auf. CRTDP führt in mehreren Dörfern in der Umgebung von Nagpur Watershed-Projekte durch. Die Projekte haben eine Laufzeit von jeweils drei Jahren und werden von intensiven sozialen Programmen begleitet, um ihre Nachhaltigkeit zu sichern. Dabei werden die Bewohner in alle Arbeitsschritte eingebunden und verrichten den größten Teil der Bauarbeiten selbst, wofür sie über CRTDP eine Entlohnung erhalten. Die Watershed-Projekte bringen den Dörfern erfahrungsgemäß innerhalb weniger Jahre eine deutlich sichtbare Verbesserung des Lebensstandards.
 
Weitere Informationen: http://crtdpnagpur.org/