Nav-Jeevan Sanstha

Entstehung
Die Basis für das Entstehen von Nav-Jeevan Sanstha wurde in den 1980ern gelegt, als Annelies van de Ven aus den Niederlanden zwei kleine Mädchen aus einem Waisenhaus in Nagpur adoptierte. Als die Kinder erwachsen wurden, fragte sie die Leiterin des Waisenhauses, Iris Wilkinson, was sie tun könne, um der Stadt Nagpur für ihre wundervollen Töchter zu danken.
Gemeinsam gründeten die beiden Frauen daraufhin die Schule „Nav-Jeevan Sanstha“ für Kinder aus den Slums von Nagpur. Nav-Jeevan bedeutet „Neues Leben". Das Motto der Schule ist „Jyoti ki aur“, was auf Hindi so viel bedeutet wie: „Von Dunkelheit zum Licht“.
 
Aus dem Glauben heraus, dass das Recht auf Wohnung, Nahrung, Kleidung und medizinische Versorgung Grundrecht eines Jeden ist, begannen sie 2003 ihre Arbeit mit dem Unterrichten einiger weniger Kinder in einem gemieteten Raum. Iris Wilkinson koordinierte die Arbeit in Nagpur, während Annelies van de Ven in den Niederlanden Spenden sammelte.
 
Die Organisation heute
Heute hat die Schule ein eigenes Gelände in Nagpur. Dank weiterer Unterstützung aus den Niederlanden und anderen Ländern konnte sie ihre Kapazitäten ausweiten und neben der Schule auch ein Internat gründen. Von den insgesamt mehr als 200 Schülerinnen und Schülern lebt etwa die Hälfte im angeschlossenen Internat. Mit den Kindern aus den Slums von Nagpur leben inzwischen auch Mädchen und Jungen, deren Familien zu den Ureinwohnern Indiens gehören, und die deshalb in der Gesellschaft zahlreichen Diskriminierungen ausgesetzt sind. Ihre Heimatdörfer liegen zum Teil weit von Nagpur entfernt sogar in anderen Bundesstaaten Indiens.
Viele Eltern schicken ihre Kinder nur wegen der kostenlosen Mahlzeiten und ärztlichen Versorgung zu  Nav-Jeevan, da sie selbst nie zur Schule gegangen sind und den Wert von Bildung nicht kennen. Sie sehen es eher als Einkommensverlust, wenn ihre Kinder nicht betteln oder arbeiten können.
 
Das Ziel der Schule ist es, die Kinder solange zu unterstützen, bis sie auf eigenen Füßen stehen können, also auch über ihre Schulzeit hinaus auf ihrem weiteren Bildungsweg oder bei der Suche nach einer Arbeitsstelle. Die Erziehung legt einen besonderen Fokus auf die Vermittlung der Werte der Gleichheit aller Menschen, der Toleranz zwischen Religionen und der Wertschätzung der Natur.
 
Ausblick
In naher Zukunft will die Organisation neben der Ausbildung und Versorgung der Kinder auch berufliche Aus- und Fortbildungen für Frauen aus den Slums anbieten. In den Slums liegt, im Gegensatz zur Tradition der indischen Gesellschaft, die Verantwortung für das Einkommen oft bei den Müttern, sei es, weil der Vater nicht mehr lebt oder nicht in der Lage ist zu arbeiten oder weil er die Familie verlassen hat.
 
Außerdem ist Nav-Jeevan Sanstha zurzeit dabei, seine Energieversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen, um einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten und um unabhängiger von immer teurer werdenden, nicht-erneuerbaren Energiequellen zu werden.
 
Zu mehr Unabhängigkeit von externen Versorgern soll auch das Anlegen eines Gemüsegartens führen.
Wegen des großen Zuwachses an Schülern ist es auch notwendig, neue Gebäude zu errichten, ein weiteres laufendes Projekt von Nav-Jeevan Sanstha.