Sewagram Ashram Prashisthan

Der Sewagram Ashram Prashisthan ist eine 75 Jahre alte Institution im Herzen Indiens. Das Dorf Sewagram liegt in der Nähe von Wardha, ca. 70 km südlich von Nagpur. Mahatma Gandhi, der „Vater der Nation“, lebte über 10 Jahre an diesem Ort. Die Workcamps und Studienreisen der DIZ haben den Ashram schon oft besucht und seit 2010 werden Freiwillige dorthin entsendet.

Geschichte
Gandhi lebte von 1936 bis 1948 im Sewagram Ashram. Nachdem er 1930 wegen der Forderung nach Unabhängigkeit Indiens für zwei Jahre inhaftiert war, reiste er einige Zeit durch das Land und sammelte Spenden für seine Arbeit, insbesondere für die Unterstützung der Kastenlosen. 1934 folgte er der Einladung des befreundeten Unternehmers Jamnalal Bajaj, der ebenfalls für ein unabhängiges Indien eintrat, nach Wardha.

1936 etablierte er nach Absprache mit den Dorfbewohnern seinen Hauptsitz in dem acht Kilometer entfernten Dorf Shegaon. Das Dorf war von Wäldern umgeben und nur durch einen kleinen Fußweg mit Wardha verbunden. Es gab weder Post noch ein Telegrammbüro, die Briefe wurden von Wardha gebracht. Da es in Maharashtra noch einen anderen Ort namens Shegaon gab, wurden viele Briefe falsch zugestellt. 1940 entschied deshalb die Regierung, in Absprache mit Gandhi, das Dorf in Sewagram umzubenennen. Sewagram bedeutet auf Deutsch in etwa „Dorf des Dienens“.
Sewagram war für Gandhi ein anregender Ort. Viele wichtige Entscheidungen bezüglich staatlicher Angelegenheiten und Bewegungen hat Gandhi dort getroffen. Trotz der Abgeschiedenheit des Ortes und der großen Hitze im Sommer dachte Gandhi nie daran, Sewagram zu verlassen.
Obwohl er kaum Interesse daran hatte, außer seiner Frau Kasturba viele Personen um sich herum zu haben, wurden mit zunehmender Korrespondenz Mitarbeiter nötig und so wurde der Ashram eine feste Institution.

Gandhis Leben im Ashram
Gandhi befolgte auch in Sewagram die Regeln des Sabarmati Ashram, in dem er von 1918 bis 1930 gelebt und den gewaltlosen Widerstand gegen die britische Besatzung gelenkt hatte. Gebete am Morgen und Abend waren Teil dieser Regeln. Der Gebetsort für die Gemeinschaft war für alle zugänglich. Gandhi errichtete einen solchen Platz auch im Sewagram Ashram. Es ist ein offener Platz umzäunt von Bambusstangen. Um den Platz während der Regenzeit trocken und frei von Schlamm zu halten, ist er mit Steinen gepflastert. Nach den Gebeten sprach Gandhi über aktuelle Probleme des Ashrams und des Staates und beantwortete Fragen der Anwesenden.
 
Gandhi bevorzugte einen einfachen Lebensstil. Das Dach seiner Hütte bestand aus Lehmziegeln, die mit Bambusmatten bedeckt wurden. Die Wände wurden mit weißer Erde verputzt. Seine Schülerin Meera Ben verzierte sie mit Symbolen für Gott, Natur und Leben, dem Om, einer Palme, einem Strauß und dem Charka (indisches Spinnrad). Gandhi erledigte die meisten Arbeiten auf dem Boden sitzend auf seiner Veranda, gemeinsam mit seinen Assistenten. Auch Besucher mussten auf dem Boden sitzen. Um im heißen Sommer etwas Schatten zu spenden, wurde ein Vorhang aus Blättern aufgehängt und ein altmodischer Ventilator angebracht, der von einem Mitarbeiter per Hand betrieben wurde. Auf Geheiß des britischen Vizekönigs für Indien wurde in Gandhis Büro ein Telefon installiert.
 
Die Mahlzeiten wurden von allen Bewohnern gemeinsam in der Küche eingenommen.
 
Der Ashram heute
Im Ashram wird auch heute noch das Andenken an Gandhi und seine Lehre gepflegt. Obwohl es heute eine gute Zugverbindung von Sewagram nach Nagpur gibt, ist der Ashram immer noch etwas abgeschieden von der „modernen Welt“. Viele Lebensregeln Gandhis werden von den Bewohnern weiterhin befolgt. Auf dem Gebetsplatz finden immer noch täglich Gebete statt. Erst 2012 wurde auf Anregung einer Freiwilligen die erste Website erstellt, bis heute hat der Leiter der Organisation keine Email-Adresse.
 
 

Weitere Informationen: www.sevagramgandhiashram.org

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